TERRA INCOGNITA FÜR PRODUKTDESIGNER
Um einen Verpackungsentwurf für Trockenoffsetdruck gut vorzubereiten, ist an mehrere Einschränkungen zu denken. Häufig wissen die Produktdesigner nicht, wie die Verpackung gedruckt wird und schlagen grafische Effekte vor, die unmöglich umzusetzen sind. Wenn man sich jedoch der Einschränkungen bewusst ist, kann man dennoch sehr interessante Verpackungen entwerfen.
Die erste Art der Einschränkungen ergibt sich aus der Anwendung konvexer Druckformen:
Insbesondere können Tonwertübergänge auf 0% der Farbe nicht erzielt werden. Tonwertübergänge können – im Entwurf – auf ca. 10% „hinuntergehen“. Ein so hoch angesetztes Minimalprozent ist wegen der starken Tonwertzuwachseffekte (dot-gain) notwendig. Auf der Form reduzieren wir die Minimalraster auf 1%, aber im Druck werden effektiv ca. 10% erreicht – daher ist eine solche Einschränkung auf der Entwurfsetappe zu berücksichtigen.
Auf der fertigen Verpackung sehen dann die Tonwertübergänge am besten auf kurzen Abschnitten aus.
Die zweite Art der Einschränkungen resultiert aus der Technik der Farbübertragung:
Trockenoffset ist ein indirektes Druckverfahren. Farben werden zuerst auf ein Gummidrucktuch und danach auf die Verpackungsfläche übertragen. Zusätzlich kann es zum Gleiten zwischen dem Gummituch und dem Bedruckstoff kommen – insbesondere auf Verpackungen, die nicht zylindrisch (wie Tuben oder Dosen), sondern kegelförmig sind (wie Becher). Folge davon ist ein Verwaschen der Ränder. Daraus resultieren Einschränkungen in der Letter- und Barcodegröße.
Die dritte – und die emsthafteste – Art der Einschränkungen ergibt sich aus der Methode, wie Farben gemischt werden:
Die durch Auftragen von zwei (oder seltener drei) Grundfarben erzielten Ergebnisfarben können auf einer Verpackung nur in einem sehr beschränkten Umfang (auf kleinen Flächen) vorkommen.
Diese Einschränkung ist insoweit schwer zu beschreiben, da sie von vielen Faktoren abhängig ist: Mischbarkeit der Farben, Rasterintensitäten und andere Elemente, die mit denselben Farben bedruckt werden sollen.
Bei der Druckvorbereitung werden die Farben eines jeden Musters in extra für dieses Muster DEDIZIERTE Farben separiert. Das Verfahren zur Auswahl solcher Farben beginnt bei den wesentlichsten Elementen, deren Farben nicht verändert werden dürfen.